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Neuro-Industrial Engineering: Entscheidungsverhalten im B-to-B-Bereich mit High-Technology-Products

Die gegenwärtige Forschung zur (industriellen) Kaufentscheidung geht von phasenbezogenen, prozessorientierten Modellen aus. Ausgehend von der Menge der in Betracht kommenden Entscheidungsalternativen – deren Art und Anzahl durch die den Mitgliedern eines Buying Centers oder individuellen Konsumenten zur Verfügung stehenden Informationsquellen bestimmt wird – werden quasi in einer Vorauswahl die betrachteten Entscheidungsalternativen auf die realisierbaren Alternativen reduziert. Aus der Konsumentenforschung ist dabei bekannt, dass die Kaufbereitschaft - neben dem Nutzen des Angebots und der Risikoreduktion, dem Erkennen und Wiedererkennen der Information, der Individualisierung des Angebots und der Differenzierung von Alternativen - auch von der Informationseffizienz des kommunizierten Angebots beeinflusst wird. Diese Informationseffizienz hängt stark mit der Aufmerksamkeitssteuerung und damit der Verarbeitungstiefe bei dem/n Empfänger/n der Informationen zusammen. Die aus Verkaufsseite interessante Frage ist demnach, wie Aufmerksamkeit auf Kundenseite gesteuert und ggfs. gemessen werden kann.

Bisher gibt es ähnliche Forschungsvorhaben der Neuroökonomie fast ausschließlich im Bereich der Konsumentenforschung. Der Fokus dieses Forschungsbereich ist demgegenüber explizit der BtoB-Bereich mit High-Technology-Products. Dabei sollen wissenschaftlich fundierte Grundlagenforschung und praktischer Anwendungsbezug innovativ und interdisziplinär miteinander verknüpft werden.

Dazu werden im LdV-C³-Lab Techniken aus der neurowissenschaftlichen Verhaltensforschung eingesetzt, wie u. a. EEG- und Eyetracking – Systeme (siehe hierzu die Beschreibung der Ausstattung des LdV-C³-Lab). So ist es aus der neurowissenschaftlichen Forschung z. B. bekannt, dass für bestimmte Situationen relevante Reize bzw. Informationen im EEG eine langsame Positivierung auslösen, die mit den investierten kognitiven Ressourcen für die weitere Verarbeitung der Informationen korreliert. Somit lässt sich über diesen Parameter der Grad der individuellen Bedeutsamkeit einer Information in einer bestimmten Situation objektivieren.

Neuro-Industrial Engineering: Entwicklung und Evaluation von innovativen, technikgestützten Produkten für das Gesundheitswesen

Nicht zuletzt in Folge des demographischen Wandels gilt die Medizintechnik als einer der entschei-denden Zukunftsmärkte. Im LdV-C³-Lab werden vor diesem Hintergrund stark anwendungsbezogen neue, technikgestützte Methoden für die Gesundheitsversorgung entwickelt, erprobt und evaluiert.

Im Rahmen des Projekts Post-Reha-Netzwerk wurde ein sogenannter „Virtueller Lotse“ gestaltet. Dabei handelt es sich um eine web-basierte „Collaborative Health Care“ - Applikation für die ambulante Rehabilitations-Nachsorge. Lotsen-Modelle für die Nachsorge sollen Betroffene unterstützen, indem sie ihre Leistungen koordinieren und bei der Kommunikation mit Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen oder Kostenträgern unterstützen, um sowohl für die Betroffenen eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, als auch die volkswirtschaftlichen bzw. gesundheitsökonomischen Kosten durch Überversorgungen mit z. B. unzweckmäßigen Mehrfachuntersuchungen oder vermeidbaren Facharztkonsultationen zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund wurde eine wiki-basierte Wissensmanagement-Plattform aufgebaut, die wichtige Aspekte der Nachsorge-Infrastruktur einer Region sammelt, strukturiert und den Betroffenen und Stakeholdern kostenfrei zur Verfügung stellt. Der Virtuelle Lotse ist somit ein Instrument, zum Patienten – „Empowerment“, das Informationsdefizite z. B. über verfügbare Gesundheitsdienstleistungen, ihre lokalen Anbieter, gegebene Finanzierungsmöglichkeiten usw., verringert.

Die Entwicklung des Tools folgte den Grundsätzen des „Creative Design for Inclusion“ und basierte auf dem „ProdUsage“ – Prinzip, nach dem die User eine Anwendung nicht nur passiv benutzen können, sondern darüber hinaus auch noch die Möglichkeit haben, sich aktiv in die Produktion von Contents für die Applikation einzubringen.
Weitere laufende bzw. in Beantragung befindliche Projekte in diesem Forschungsbereich umfassen u. a. die Beteiligung an der Entwicklung von teletherapeutischen Methoden für die Sprachtherapie und die Evaluation von robotik-gestützten Verfahren für die ambulante Spätrehabilitation.